Der Bereich Rechtsanwälte

Im Bereich „Rechtsanwälte“ finden Sie neben Informationen rund um den Anwaltsberuf alles Wissenswerte zum anwaltlichen Berufsrecht und Vergütungsrecht. Sie können sich hier auch darüber informieren, was Sie zu beachten haben, wenn Sie die Qualifikation als Fachanwalt anstreben bzw. bereits besitzen.

Der Bereich RA-Fachangestellte

In diesem Bereich finden Sie Informationen rund um den interessanten und zukunftssicheren Beruf des/der Rechtsanwaltsfachangestellten und zur Weiterbildung zum/zur Geprüften Rechtsfachwirt/in.

Der Bereich Mandanten

Im Bereich Mandanten finden Sie neben Informationen über die Aufgaben der Rechtsanwaltskammer München alles Wissenswerte, was Sie bei der Beauftragung eines Rechtsanwalts wissen sollten. Hier finden Sie auch die Namen und Adressen anderer Ansprechpartner, wenn die Rechtsanwaltskammer München nicht für Sie tätig werden kann.

Der Bereich RAK München

In diesem Bereich können Sie sich unter anderem über die Gremien und die Aufgaben der Rechtsanwaltskammer München informieren. Hier können Sie auch alle Veröffentlichungen der Rechtsanwaltskammer München in elektronischer Form abrufen.

Interviewreihe mit Engagierten im Ehrenamt

Mit einer Interviewreihe würdigt die Rechtsanwaltskammer München im Ehrenamt Engagierte und gibt einen Einblick, welche Beweggründe dahinterstecken. Eine wichtige Rolle spielt zum Beispiel die Selbstverwaltung der Anwaltschaft, Mitwirkungsmöglichkeiten in Bezug auf Gesetzgebungsverfahren und die Einbindung in Kammerthemen und spezifische Anwaltsthemen.

Die vollständigen Interviews finden Sie auf dieser Seite wie auch bei LinkedIn. Falls Sie mehr über die Beweggründe, Herausforderungen und Chancen von unseren Ehrenamtlichen erfahren wollen: Weitere Interviews folgen!

  • Karoline Fritz, RAin und FAin Sozialrecht, Mitarbeiterin im Vorstand

    „Ehrenamt verbindet und stärkt.“

    Frau Fritz, Sie sind seit Ende 2012 als Rechtsanwältin zugelassen, sind seit 2017 als Fachanwältin für Sozialrecht in Ihrer Kanzlei in Passau tätig, engagieren sich seit 2018 als Mitarbeiterin im Vorstand der Rechtsanwaltskammer München in der Abteilung V – Gebührenrecht, und sind darüber hinaus seit 2019 im Fachausschuss Sozialrecht der Kammer aktiv.

    Wie kam es zu Ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterin im Vorstand der Rechtsanwaltskammer München?

    Nachdem ein Passauer Kollege, der zuvor Mitarbeiter des Vorstandes in der Gebührenrechtsabteilung war, als Anwaltsrichter ans Anwaltsgericht gewechselt hat und die Stelle frei wurde, fragte mich der damalige Vorsitzende der Abteilung, Jochen Uher, ob ich Interesse hätte. Es brauchte dafür nicht viel Überzeugung. Die Mitarbeit hörte sich relevant und wichtig an; das Gebührenrecht gehört ja zum Handwerkszeug von uns Anwälten.

    Zudem „fixt“ einen das Ehrenamt an. Wenn man einmal dabei ist, kann man nicht aufhören, weiter aktiv zu werden und zu bleiben.   

    Was motiviert Sie bei der ehrenamtlichen Tätigkeit bei der RAK München besonders?

    Das Zusammengehörigkeitsgefühl. Selbst zu Beginn, als ich neu dabei war und noch nicht so viele Leute in der Kammer und im Vorstand kannte, war ich trotzdem gleich Teil der Gruppe. Bedenken, dass ich am Anfang vielleicht noch nicht viel beitragen kann, waren unbegründet.

    Ich hatte damals 2018 auch gleich Glück, bei einer Klausurtagung mit einer anderen „frischen“ Mitarbeiterin des Vorstandes dabei zu sein. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Es hat keine Rolle gespielt, dass wir Junganwältinnen waren; die Generationenmischung machtʼs – auch heute noch. 

    Was macht die Gebührenabteilung der Rechtsanwaltskammer München?

    Wir erstellen für die Gerichte zuvörderst Gutachten nach § 14 RVG. Wir beurteilen, ob der Rechtsanwalt sein Ermessen bei der Bemessung der Rahmengebühren ordnungsgemäß ausgeübt hat, also billigem Ermessen entspricht. Hierfür wird uns die gesamte Gerichtsakte übersandt. Im Idealfall hat der Rechtsanwalt detailliert zu den einzelnen Kriterien des § 14 RVG vorgetragen und nicht nur pauschal geschrieben, dass die Sache umfangreich und schwierig war. Anhand des Vortrages und auch der Anlagen, aus denen die Tätigkeit ersichtlich ist, prüfen wir sodann, ob die angesetzte Gebühr billigem Ermessen entspricht. 

    Zudem werden von uns Gebührengutachten nach § 3a Abs. 3 S. 2 RVG erstellt, wenn es um die Vergütung eines Anwalts aus einer Gebührenvereinbarung geht. 

    Mitunter erhalten wir auch einen Gutachtensauftrag nach § 73 Abs. 2 Nr. 8 BRAO. Zum Beispiel hatte ich kürzlich eine Gebührenakte zur Bearbeitung vorliegen. Hier fragte das Gericht „bei uns“ an, wie viele gebührenrechtliche Angelegenheiten konkret vorliegen.

    Die Erstellung des Gutachtens obliegt einem Mitglied der Abteilung. Dieses wird dann in der Runde besprochen und beschlossen, wobei nur die Vorstandsmitglieder der Abteilung stimmberechtigt sind. Unterschrieben wird es vom Vorsitzenden der Abteilung.

    Sie sind auch regional im Passauer Anwaltverein engagiert, gehören seit 2017 dessen Vorstand an und sind seit Sommer 2022 Vorsitzende des Passauer Anwaltvereins. Welche Aufgaben kommen in diesem Bereich auf Sie zu? Und haben Sie sich bestimmte Ziele für Ihr Amt als Vorsitzende vorgenommen?

    Sicherlich betreffen viele meiner Aufgaben die Verwaltung und Organisation, aber meine Kernaufgabe sehe ich darin, für meine Mitglieder als Ansprechpartnerin für ihre Belange, Fragen und Anregungen zur Verfügung zu stehen. Man muss immer bedenken, dass es sich um eine freiwillige, aber kostenpflichtige Mitgliedschaft handelt, und wir den Kolleginnen und Kollegen einen Anreiz schaffen müssen, beizutreten, und wir den Mehrwert aufrechterhalten müssen. 

    Ich habe mir daher für meine Amtszeit vorgenommen, dass in den Verein wieder mehr Bewegung kommt. Bedingt durch Corona mussten auch wir mit Veranstaltungen, Reisen und Fortbildungen pausieren. Im Jahr 2022 wäre wieder einiges möglich gewesen, aber leider wurden unsere Angebote nicht so gut angenommen wie erhofft. Eine meiner ersten Amtshandlungen war daher, einen Online-Fragebogen an unsere Mitglieder zu senden, was sie sich vom Verein erwarten, sowohl hinsichtlich Fortbildungen als auch Reisen oder Stammtische. Hier komme ich auch zu einem anderen Punkt: Ich möchte versuchen, dass der Verein moderner und digitaler wird. Eine neue Homepage wurde erstellt. Unser Verein hat rund 200 Mitglieder und kommt ohne Geschäftsstelle aus, sodass wir uns auch damit Arbeitserleichterungen verschaffen wollen und beispielsweise die Anmeldungen zu Fortbildungen nur noch online ermöglichen oder auch unseren Mitgliedern die Fortbildungsbescheinigungen nur noch als Datei zukommen lassen, welche sie ohne großen Aufwand gleich ins Fachanwaltsportal der Kammer laden können. 

    Profitieren Sie im Alltag von Ihrem ehrenamtlichen Engagement? Gibt es Synergieeffekte, die für den einen oder anderen Bereich Vorteile mit sich bringen?

    Sehr. Gerade im Sozialrecht erlebe ich es so häufig, dass nur die Mittelgebühren erstattet werden. Es war und ist für mich eine große Hilfe, wenn ich argumentativ gegenüber der Rechtsschutzversicherung, der Staatskasse oder dem Mandanten darlegen kann, warum die von mir angesetzte Gebühr billigem Ermessen entspricht. 

    Aber nicht nur beruflich bereichert mich das Ehrenamt, sondern es hat auch zu einer persönlichen Weiterentwicklung geführt. Ich habe bislang schon viel mitgenommen und gelernt: Man blickt über den eigenen Tellerrand hinaus oder aber stellt auch fest, dass man auf einem ganz guten Weg ist. Hinzu kommt das Netzwerk. Das, was ich mir in den letzten Jahren geschaffen habe, wäre ohne das Ehrenamt nie zustande gekommen. Man lernt so wahnsinnig viele Leute kennen und schätzen, die einem als Ansprechpartner für Berufliches zur Verfügung stehen, mit denen man überregional Veranstaltungen planen kann oder die mittlerweile zum festen Freundeskreis gehören. 

    Welche Angebote der RAK München nutzen Sie in Ihrem Arbeitsalltag?

    Da ich selbst auf LinkedIn aktiv bin und die Kammer dort auch vertreten ist, nutze ich gerne die von der Kammer geteilten Beiträge, um aktuelle Informationen abzurufen. 

    Zudem verwende ich mitunter das Anwaltsverzeichnis, wenn Mandanten Kolleginnen und Kollegen für ein Fachgebiet suchen, die bei uns vor Ort nicht vertreten sind, oder wenn mir Fachanwälte auf die Schnelle nicht einfallen.  

    Immer wieder wird darüber diskutiert, ob die Selbstverwaltung der Anwaltschaft noch zeitgemäß ist. Wie beurteilen Sie die Situation?

    Ich wüsste nicht, wie es anders laufen sollte, ohne dass man uns die Unabhängigkeit nimmt oder in diese eingreift. Es ist ja nicht so, dass die Selbstverwaltung nach Gutdünken und ohne (Bundes-)Gesetze funktionieren würde. Zudem ist ja mit der Satzungsversammlung, den Kammern und den Anwaltsgerichten, Anwaltsgerichtshöfen und dem Anwaltssenat beim BGH auch die Gewaltenteilung gewährleistet. Darüber hinaus ist nur ein Rechtsanwalt mit der Arbeit oder beispielsweise den berufsrechtlichen Anforderungen und Hürden bei der Mandatsbearbeitung vertraut. Einer nicht als Rechtsanwalt praktizierenden Person kann es selbst durch Hineinversetzen in die Position nicht gelingen, kompetent mitzureden oder gar Entscheidungen zu treffen. 

    Die Rechtsanwaltskammer lebt vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. Mit welchem Appell würden Sie sich an die Mitglieder wenden, um für das Ehrenamt bei der Kammer zu werben?

    Ehrenamt verbindet und stärkt. 

  • Irina Lindenberg-Lange, RAin, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Anwaltsgerichtshofs

    „Ich habe die Zusammenarbeit zwischen den Rechtsanwälten und Berufsrichtern beim Bayerischen Anwaltsgerichtshof als hervorragend und befruchtend erlebt.“

    Frau Lindenberg-Lange, Sie sind seit 1991 als Rechtsanwältin zugelassen. Sie waren von 2002 bis 2021 Mitglied des Bayerischen Anwaltsgerichtshof. 2005 übernahmen Sie den Vorsitz des 4. Senats am Bayerischen Anwaltsgerichtshof und standen fast zehn Jahre, vom 22.12.2011 bis 08.02.2021, als Präsidentin an der Spitze des Anwaltsgerichtshofs. Darüber hinaus wurden Sie 2016 zur Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Präsidentinnen und Präsidenten der Anwaltsgerichtshöfe in Deutschland gewählt. Am 13.10.2022 wurde Ihnen von Ministerpräsident Dr. Markus Söder der Bayerische Verdienstorden verliehen. 

    Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Sie?

    Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut, da sie eine Würdigung und Wertschätzung meiner langjährigen Tätigkeit in der Anwaltsgerichtsbarkeit und meines ehrenamtlichen Engagements im Dienste unseres Berufsstandes darstellt.

    Markus Söder sagte in seiner Laudatio: „lrina Lindenberg-Lange hat sich durch engagierte Arbeit in ihren verschiedenen Funktionen erhebliche Verdienste um die Anwaltschaft in Bayern und den Bayerischen Anwaltsgerichtshof erworben.“ Wie kam es zu Ihrem Engagement im Bayerischen Anwaltsgerichtshof – deren Richterinnen und Richter sowie Präsidentinnen und Präsidenten auf Vorschlag der bayerischen Rechtsanwaltskammern von der Landesjustizverwaltung ernannt werden – und was hat Sie bewogen, beinahe zwei Jahrzehnte in diesem Bereich ehrenamtlich tätig zu sein?

    Vor vielen Jahren wurde ich gefragt, ob ich mir eine Tätigkeit als Richterin in der Anwaltsgerichtsbarkeit vorstellen könnte. Hierzu war ich gerne bereit, schon mit Blick darauf, die Rechtsprechung im anwaltlichen Berufsrecht mitgestalten zu dürfen. Für mich persönlich war der Wechsel in die richterliche Perspektive stets besonders spannend und bereichernd. Die Denk-, Sicht- und Arbeitsweise eines Richters – als „unabhängiger Dritter“ für den Ausgleich gegensätzlicher Interessen zu sorgen – eröffnet ganz andere Blickwinkel; ich profitiere noch heute hiervon in meiner täglichen Arbeit als Rechtsanwältin.

    Welche Aufgaben waren mit Ihrer Tätigkeit als Vorsitzende des 4. Senats und als Präsidentin am Bayerischen Anwaltsgerichtshof verbunden? Und welche Bereiche empfanden Sie als besonders interessant?

    Wie bei allen anderen staatlichen Gerichten oblag mir als der Vorsitzenden eines Senats die Wahrung der Stetigkeit der Rechtsprechung in dem Senat und die Verhandlungsleitung in den Sitzungen. Entsprechend dem Geschäftsverteilungsplan ist der Senat, dem der Präsident oder die Präsidentin des Bayerischen Anwaltsgerichtshofs vorsitzt, für die unterschiedlichsten (verwaltungsrechtlichen) Verfahren zuständig; allein deshalb gibt es keinen Fall, der mir besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Diese Tätigkeit war stets abwechslungsreich und interessant. 

    Zu meinen Aufgaben als Präsidentin gehörte die Verantwortung und die Organisation der Binnenverwaltung des AGH, also insbesondere die Durchführung von Präsidiumssitzungen, die Herbeiführung von Präsidiumsbeschlüssen, die Durchführung von Präsidiumswahlen, das Implementieren verschiedener gesetzlicher Vorgaben, wie beispielsweise des Mediationsgesetzes, des elektronischen Rechtsverkehrs und der DSGVO. Hierzu gehörte aber auch die Repräsentation des Gerichts nach außen sowie der Austausch mit den Präsidenten der anderen Anwaltsgerichtshöfe in Deutschland. 

    Wenn Sie auf Ihre Tätigkeiten beim Bayerischen Anwaltsgerichtshof zurückblicken, wie würden Sie Ihre persönlichen Erfahrungen beschreiben? Gab es Momente, die Sie besonders geprägt haben?

    In den ersten Jahren nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuordnung der Syndikusanwälte zum 01.01.2016 war – beim Bayerischen Anwaltsgerichtshof – eine Vielzahl von Klageverfahren zu verzeichnen, in welchen es um die Zulassung zum Syndikusrechtsanwalt ging. Diese Thematik empfand ich als besonders herausfordernd und faszinierend, da es auch um grundsätzliche Rechtsfragen ging und wir Gelegenheit hatten, zur Fortbildung und zur Sicherstellung einer einheitlichen Rechtsprechung auf der Grundlage eines neuen Gesetzes beizutragen.

    Davon unabhängig habe ich die Zusammenarbeit zwischen den Rechtsanwälten und Berufsrichtern beim Bayerischen Anwaltsgerichtshof als hervorragend und befruchtend erlebt. Mich hat immer wieder beeindruckt, mit welchem Engagement und Verantwortungsbewusstsein sämtliche in der Anwaltsgerichtsbarkeit als Richterinnen oder Richter tätigen Rechtsanwaltskollegen und Berufsrichter ihrer Tätigkeit nachgehen.

    Der Bayerische Anwaltsgerichtshof ist als Berufungsinstanz für Verfahren zuständig, die Verstöße gegen das anwaltliche Berufsrecht zum Gegenstand haben. Darüber hinaus entscheidet er in erster Instanz über verwaltungsrechtliche Anwaltssachen. Der AGH ist quasi ein Organ der Selbstverwaltung. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob die Selbstverwaltung der Anwaltschaft noch zeitgemäß ist. Wie beurteilen Sie die Situation?

    Historisch betrachtet war es ein längerer Weg bis zur Anerkennung des Rechtsanwalts als Organ der Rechtspflege. Eben dies, nämlich die Stellung des Rechtsanwalts als unabhängiges Organ der Rechtspflege, ist auch der Grund dafür, dass Rechtsanwälte – anders als andere freie Berufe – über eine eigene Berufsgerichtsbarkeit verfügen. Erster Meilenstein hierfür war das Inkrafttreten der Rechtsanwaltsordnung im Jahre 1878; erstmals wurde damals den Forderungen der Anwaltschaft nach freier Advokatur, also Selbstverwaltung und Freiheit von staatlicher Kontrolle nachgekommen. Es entstanden – als Ausdruck der Selbstverwaltung – die Rechtsanwaltskammern und – als Ausdruck der Unabhängigkeit der Rechtsanwälte von staatlicher Kontrolle – eine eigene Gerichtsbarkeit, nämlich die – wie es damals hieß – Ehrengerichtsbarkeit. Bei dieser eigenen Berufsgerichtsbarkeit blieb es seit dem Inkrafttreten der Bundesrechtsanwaltsordnung im Jahre 1959 bis heute; seit 1994 wird sie als Anwaltsgerichtsbarkeit bezeichnet. 

    Es trifft zu, dass immer wieder Überlegungen im Raume stehen, die Aufgaben der Anwaltsgerichtsbarkeit, insbesondere die verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten, in die Verwaltungsgerichtsbarkeit einzugliedern. Ich persönlich kann hierfür jedoch keine zwingenden Gründe oder gar einen Handlungsbedarf erkennen. Eben dieses historisch entstandene System hat sich bewährt und funktioniert ersichtlich gut, ganz abgesehen davon, dass ich es auch für nicht sinnvoll erachte, etwa die verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten von den Disziplinarsachen zu trennen und wiederum anderen Gerichten zuzuweisen.

    Die RAK München bietet ihren Mitgliedern Unterstützung und Informationen an, die im Rahmen der Berufsausübung auftreten können. Welche Angebote der RAK München nutzen Sie in Ihrem Arbeitsalltag?

    Nachdem ich sowohl Fachanwältin für Verwaltungsrecht als auch Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht bin, mache ich gern von dem Fortbildungsangebot der RAK München mit Veranstaltungen, die durchwegs mit hervorragenden Referenten besetzt sind, Gebrauch. Darüber hinaus unterhält die RAK München nach meinem Dafürhalten eine Homepage, die zu verschiedensten Themen, wie beispielsweise Geldwäsche oder das Berufsrecht wichtige und hilfreiche Informationen enthält. 

    Die Rechtsanwaltskammer lebt vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. Wie könnten aus Ihrer Sicht noch mehr Mitglieder der Rechtsanwaltskammer München dafür gewonnen werden, sich ehrenamtlich zu engagieren?

    Was die Anwaltsgerichtsbarkeit angeht, gibt es nach meiner Beobachtung – jedenfalls in unserem Kammerbezirk – keinen Mangel an engagierten und interessierten Rechtsanwaltskolleginnen und -kollegen, die diese anspruchsvolle Tätigkeit ausüben möchten. Motivation gibt es nach meinem Dafürhalten hierfür genug – schon aus Interesse an unserem eigenen Berufsstand im Wandel der Zeit. 
     

  • Gerald Baumgartner, RA, Prüfungsausschuss BBi München I

    „Wir haben die Chance, unseren Berufsstand mit zu prägen.“

    Herr Baumgartner, zum Einstieg kurz zu Ihrem persönlichen Werdegang: Sie sind seit 2020 als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt auf Handels- und Vertriebsrecht tätig und haben zusätzlich eine Ausbildung zum Wirtschaftsmediator absolviert. Ehrenamtlich engagieren Sie sich als stellvertretendes Mitglied im Prüfungsausschuss der Rechtsanwaltskammer München. Wie kam es dazu, dass Sie bereits kurz nach Ihrer Zulassung im Jahr 2020 ehrenamtlich bei der RAK München aktiv wurden? Was motiviert Sie bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der RAK München besonders?

    Meine erste Berührung mit der RAK München hatte ich im Referendariat. Die Kammer beteiligt sich an der Referendarausbildung, indem sie einige Unterrichtseinheiten zum „Berufsfeld Anwaltschaft“ anbietet. Dort hat Herr Dr. Thomas Kuhn (Vorstandsmitglied der RAK München) doziert und uns unter anderem auf das mündliche Examen vorbereitet. Dieses Engagement für unsere Ausbildung und unseren Berufsstand fand ich toll, sodass ich mich dann auch bald in der Kammer einbringen wollte. 

    Worin bestehen Ihre Aufgaben als Mitglied des Prüfungsausschusses? 

    Der Prüfungsausschuss ist für die Durchführung der Zwischen- und Abschlussprüfung der Rechtsanwaltsfachangestellten zuständig. Dazu gehört die Aufsicht während der Klausuren, die Korrektur der Klausuren, die Teilnahme an der Notenkonferenz und vor allem die mündliche Abschlussprüfung. Das sogenannte „Fallbezogene Fachgespräch“ ist quasi das „Highlight“ der Abschlussprüfung – nicht nur für die Kandidatinnen und Kandidaten, sondern natürlich genauso für uns Prüfer. Besonders spannend finde ich die anschließende Diskussion mit den anderen Prüfern, wie die Leistung zu bewerten ist. 

    Sie haben für die Mitteilungen 04/2021 der RAK München ein Plädoyer für die Ausbildung von Rechtsanwaltsfachangestellten gehalten. Wieso sehen Sie es für so wichtig an, dass Kanzleien verstärkt in die Ausbildung investieren?

    Weil nur Kanzleien diese Ausbildung leisten können, andere Ausbildungsbetriebe gibt es für diesen Berufszweig nicht. Dass wiederum zahlreiche Rechtsanwaltsfachangestellte teils direkt nach bestandener Prüfung den Berufszweig wechseln und beispielsweise in die öffentliche Verwaltung oder in die Industrie wechseln, muss der Anwaltschaft zu denken geben. 

    Die RAK München bietet ihren Mitgliedern Unterstützung an bei Themen, die im Rahmen der Berufsausübung auftreten können – wie erleben Sie die Rolle der RAK München in Ihrem Arbeitsalltag und welche Angebote unterstützen Sie dabei besonders?

    Die Kammer hält auf ihrer Webseite recht nützliche Anleitungen für das beA bereit. Zudem finde ich das telefonische Beratungsangebot zu Fragen des Berufsrechts sinnvoll. Denn auch wenn man sich hierzu mit Kollegen austauschen kann, gibt einem die Beratung durch Vorstandsmitglieder der Kammer noch mehr Sicherheit in solch wichtigen Fragen.
     
    Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Rolle der Kammern für die Selbstverwaltung und Interessenvertretung der Anwaltschaft und warum? 

    Die Kammern nehmen ja eine Art Zwitterstellung ein, indem sie einerseits als Behörden die Disziplinaraufsicht über uns ausüben, andererseits aber Raum lassen, dass sich die von ihr beaufsichtigten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte hierbei einbringen. Das bietet uns die Gelegenheit, unsere Interessen zu vertreten und diese durch das Sprachrohr der Kammer in Richtung Politik und Entscheidungsträger wahrnehmbar zu kommunizieren. 

    Die Rechtsanwaltskammer München lebt vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. Wie würden Sie vorgehen, um mehr Kammermitglieder für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen? Welchen Appell würden Sie an die Mitglieder richten?

    Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht: Wir haben so die Chance, unseren Berufsstand mit zu prägen, anstatt bloß von „oben“ reguliert zu werden. Außerdem macht es Freude und man kann etwas bewirken. 

  • Marc Armatage, RA und FA Strafrecht, Vorstandsmitglied der RAK München

    „Ich halte die Homepage der Kammer für herausragend.“

    Herr Armatage, zum Einstieg kurz zu Ihrem persönlichen Werdegang: Sie sind seit vielen Jahren als Fachanwalt für Strafrecht tätig. Zusätzlich dazu sind Sie 1. Vorsitzender des Anwaltvereines Kempten sowie Vorstandsmitglied des Bayerischen Anwaltverbandes. Daneben engagieren Sie sich als Vorstandsmitglied bei der Rechtsanwaltskammer München. Wie kam es dazu, dass Sie neben Ihrer beruflichen Tätigkeit auch ehrenamtlich aktiv wurden? Was motiviert Sie besonders, sich ehrenamtlich zu engagieren?

    Vor einigen Jahren wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, den Vorsitz im Kemptener Anwaltsverein zu übernehmen, da der langjährige Vorsitzende Dr. Hägele aus Altersgründen nicht mehr kandidieren wollte. Nachdem mich dann die Verbandsarbeit interessiert hatte, kam eines zum anderen. Ich halte Selbstverwaltung und berufspolitische Fragstellungen für sehr wichtig. 

    Über Ihr überregionales Engagement hinaus sind Sie auch regional in dem Anwaltverein Ihrer Heimatstadt Kempten aktiv. Woraus bestehen Ihre Aufgaben als Vorsitzender des Anwaltvereines? 

    Als Vorsitzender des örtlichen Anwaltsvereins ist man zunächst einmal Ansprechpartner für Behörden und Gerichte. Leider kommt derzeit aufgrund allseits bekannter Umstände die gesellschaftliche Komponente zu kurz, so dass ich derzeit für den kollegialen Zusammenhalt der örtlichen Kolleginnen und Kollegen und die Netzwerkbildung wenig tun kann. 

    Welche Herausforderungen erleben Sie bei Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender und Vorstandsmitglied eines regionalen Anwaltvereins?

    Die Mitglieder zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung zu bewegen. Die meisten Kolleginnen und Kollegen sind natürlich zeitlich recht eingespannt, so dass diese Abendtermine nicht übermäßig beliebt sind. Das Problem der relativ sparsamen Teilnahme ist ja leider auch bei der Kammerversammlung bekannt. 

    Die RAK München ist nicht nur für die Stadt München, sondern für den gesamten Oberlandesgerichtsbezirk zuständig. Wie erleben Sie die Rolle der RAK München in Ihrem Arbeitsalltag und welche Angebote der RAK München unterstützen Sie dabei besonders?

    Ich halte die Homepage der Kammer für herausragend. Oft kann ich bei Anfragen von Kolleginnen und Kollegen auf die Kammerhomepage verweisen. Hervorzuheben sind hier meines Erachtens die Materialen zum Thema „Geldwäsche“ oder die Informationen zu allen Fragen rund um das Thema „Corona“. Im Frühjahr 2020 gab es nirgendwo derart komprimierte Informationen. 

    Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Rolle von überregionalen Organisationen der Selbstverwaltung und Interessenvertretungen, wie der RAK München, und warum? 

    Die wohl von allen gewollte Unabhängigkeit des Berufs setzt eine funktionierende Selbstverwaltung voraus. 

    Gibt es Überschneidungen oder Synergien zwischen Ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten, beispielsweise bei der Bearbeitung bestimmter Themen? Wenn ja, welche? 

    In meiner Arbeit gibt es komischerweise nicht allzu viele Überschneidungen. 

    Wenn Sie nun auf Ihre Jahre als im Ehrenamt Tätiger zurückblicken – wie würden Sie Ihre persönliche Erfahrung beschreiben? Gab es Momente, die Sie besonders geprägt haben?   

    Ich könnte nicht sagen, dass mich bislang irgendetwas besonders geprägt hat. Meine persönliche Erfahrung ist vielmehr, dass man die Themen mit viel Ausdauer zu bearbeiten hat. Bei einem Blick hinter die Kulissen wird erst sichtbar, wie viele Leute zusammenwirken müssen. Ich glaube, dass es immer stärker sichtbar wird, dass ein gutes Team der Schlüssel ist. 

    Warum sollten sich Ihrer Meinung nach auch andere Mitglieder der Rechtsanwaltskammer München ehrenamtlich engagieren?

    Weil die Selbstverwaltung des Berufsstandes vom Engagement der Mitglieder lebt. Außerdem macht die Arbeit in der Kammer meistens Spaß und man lernt interessante und im Übrigen auch sehr hilfsbereite Leute kennen. 

    Was würden Sie Mitgliedern, die ehrenamtlich aktiv werden möchten, auf den Weg geben wollen? 

    Das es sich lohnt, obwohl es auch oft mühsam ist. 

  • Dr. Annegret Harz, Veranstaltungsleiterin

    „Ehrenamtliches Engagement macht glücklich.“

    Wie kam es dazu, dass Sie neben Ihrer beruflichen Tätigkeit auch ehrenamtlich bei der Rechtsanwaltskammer aktiv wurden?

    An Fortbildungsveranstaltungen der Rechtsanwaltskammer München nehme ich selbst sehr gern teil und habe schon als junge Anwältin hieraus großen Nutzen gezogen. Das ehrenamtliche Engagement bei der Rechtsanwaltskammer fügt sich nahtlos in meine sonstigen Tätigkeiten ein. Ich bin z.B. Mitherausgeberin und Autorin des bei Wolters Kluwer erscheinenden Handbuchs des Fachanwalts für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. 

    Es ist immer motivierend, einer Aufgabe nachzugehen, die man sich selbst ausgesucht hat und die einen erfüllt. Was bewegt oder motiviert Sie bei Ihrer Tätigkeit als Veranstaltungsleiterin besonders?

    Es freut mich, dass ich die Gelegenheit habe Veranstaltungen zu organisieren und hoffe, dass diese durch die Auswahl der Referenten und Themen einen echten Mehrwert für die tägliche Arbeit der Kollegen bringen. 

    Wenn Sie auf Ihre Tätigkeit als Veranstaltungsleiterin bei der Rechtsanwaltskammer München zurückblicken – wie würden Sie Ihre persönlichen Erfahrungen beschreiben? Gab es Momente, die Sie besonders geprägt haben?

    Besondere Freude hatte ich, wenn an Veranstaltungen besonders viele Kollegen teilgenommen haben und es zu einem regen Austausch zwischen den Teilnehmern und dem Referenten gekommen ist.

    Wie haben Sie diese Zeit wahrgenommen? Welche Herausforderungen gab es bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen?

    Die Herausforderungen bei der Organisation digitaler Veranstaltungen waren erheblich. Manche Referenten haben einen Vortrag abgelehnt, sofern nicht wenigstens eine Hybridveranstaltung möglich war, da sie den Wunsch nach Austausch mit Teilnehmern hatten. Mittlerweile haben auch ausschließlich digitale Veranstaltungen eine größere Akzeptanz. Technische Schwierigkeiten können dabei in der Regel schnell behoben werden. 

    Worin sehen Sie hier die Chancen? Welche Erfahrungen möchten Sie auch für Ihre zukünftige Tätigkeit mitnehmen?

    Viele Teilnehmer haben berichtet, dass sie die digitalen Veranstaltungen besonders schätzen. Sei es wegen eines andernfalls langen Anfahrtsweges oder wegen der besseren Vereinbarkeit mit familiären oder sonstigen Verpflichtungen. Der digitale Austausch wird Präsenzveranstaltungen nicht vollständig ersetzen können. Wichtig wäre mir künftig Hybridveranstaltungen anzubieten, um möglichst vielen Kollegen die Teilnahme zu ermöglichen. 

    Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen, das die RAK vorhält?

    Für die Außenwirkung der Rechtsanwaltskammer und die Kollegen ist es wichtig, ein gutes Angebot an Fortbildungsveranstaltungen zu bieten, gerade im Hinblick auf die Pflichtfortbildungsstunden für Fachanwälte. Eine abendliche Fortbildung lässt sich leichter in den Berufsalltag integrieren als ein ganztägiges Seminar. 

    Warum sollte sich auch andere Mitglieder der Rechtsanwaltskammer München ehrenamtlich engagieren?

    Ehrenamtliches Engagement macht glücklich. Es ist ein schöner Moment, wenn Kollegen nach einer Veranstaltung kommen und sich für die gelungene Veranstaltung bedanken. Je mehr Mitglieder sich engagieren, desto besser kann die Rechtsanwaltskammer als Selbstverwaltungsorganisation Aufgaben erfüllen.
     

     

  • Dr. Thomas Weckbach, Vizepräsident (2004 – 2022) der RAK München

    „... für das Funktionieren der Selbstverwaltung sind unsere Mitglieder auch selbst mitverantwortlich.“

    Herr Dr. Weckbach, zum Einstieg kurz zu Ihnen persönlich: Sie blicken auf eine langjährige Praxiserfahrung als Rechtsanwalt zurück. Was hat Sie ursprünglich bewogen, sich zudem auch für die Beratung und Vertretung dieses Berufstands einzusetzen?

    Vor vielen Jahren wurde ich von Vertretern des Augsburger Anwaltvereins gefragt, ob ich mir eine Mitarbeit im Vorstand der Rechtsanwaltskammer München als Vertreter der im Bereich des Landgerichts Augsburg tätigen Anwälte vorstellen könnte. Ich habe mich dazu entschlossen, für den Vorstand zu kandidieren, weil ich die anwaltliche Selbstverwaltung für eine wichtige Errungenschaft halte, die die Unabhängigkeit des Anwaltsberufs sichert. Seit 25 Jahren gehöre ich nunmehr dem Vorstand der RAK München an; seit 17 Jahren bin ich Vizepräsident.

    Sie sind Vertreter des Präsidenten der mitgliederstärksten Rechtsanwaltskammer bundesweit. Darüber hinaus leiten Sie seit vielen Jahren die Vorstandsabteilung Öffentlichkeitsarbeit. Lassen Sie uns zu Beginn einmal die letzten Monate Revue passieren. Jetzt, da sich die dramatische Lage der Pandemie deutlich zu entspannen beginnt: Wirkt sich das auch auf die Arbeit der Kammer aus?

    Die Pandemie hat alle getroffen, auch die Anwaltschaft. Wir haben umfangreich kurzfristig über alle organisatorischen Herausforderungen im Anwaltsberuf informiert, die Systemrelevanz der Tätigkeit durchgesetzt und vor allem auch recht früh finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, die aus einem separaten Unterstützungsfonds der Kammer stammen, als sich abzeichnete, dass das Coronavirus für erhebliche Ausfälle sorgen und Anwältinnen und Anwälte in Notsituationen bringen könnte.

    Jetzt, wo sich die Lage schrittweise entspannt, sind wir aktuell an einem Punkt angelangt, an dem wir beobachten: Was bedeuten die veränderten Rahmenbedingungen für uns als Kammer und die Arbeit als Anwältin und Anwalt? Wie wollen wir in Zukunft (zusammen-) arbeiten? Dabei geht es auch darum, wie wir unseren Aufgaben nachkommen und kommunizieren. Als Rechtsanwaltskammer kommen wir einerseits gesetzlichen Aufgaben nach und fungieren als Zulassungs- und Aufsichtsbehörde, andererseits vertreten wir die Anwaltschaft – unsere Mitglieder – nach außen und bieten ihnen und rechtssuchenden Personen viele, unterschiedliche Leistungen an.

    Welche Veränderungen haben Sie am stärksten vernommen?

    Ich glaube, was wir zuerst gemerkt haben, ist, dass sich die Anforderungen an die Kommunikation von heute auf morgen verändert haben. Absprachen ergeben sich unter normalen Umständen oft nebenbei, ebenso Anregungen oder Ideen. Videokonferenzen haben dies erschwert. Wir haben auch begonnen, unsere Öffentlichkeitsarbeit wie auch die interne Kommunikation breiter und digitaler zu gestalten. Ich denke zum Beispiel an die regelmäßig stattfindenden (Weiterbildungs-) Seminare, die wir nun insgesamt online anbieten. Unsere Mitglieder profitieren davon, denn es spart Zeit und Kosten. Tendenziell ist man in der Lage, an mehr Veranstaltungen teilzunehmen als vorher. Wir hoffen natürlich, dass digitale Veranstaltungen unser Angebot für Mitglieder insgesamt attraktiver machen.

    Wie stark ist die Kammer auf das Mitwirken der Mitglieder angewiesen? Wie würden Sie das Zusammenspiel beschreiben?

    Uns sind sowohl die Unterstützung unserer Mitglieder als auch ihre Einbeziehung bei den Themen der Selbstverwaltung ein wichtiges Anliegen. Denn für das Funktionieren der Selbstverwaltung sind unsere Mitglieder auch selbst mitverantwortlich. Erfahrungsgemäß möchten sie diese Verantwortung auch wahrnehmen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Mitglieder, die sich ehrenamtlich in der Kammer engagieren. Das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt ist für eine funktionierende Kammer enorm wichtig, gibt oft entscheidenden Input und entlastet zusätzlich die hauptamtlichen Mitarbeiter auf vielen Ebenen. Wir erhalten zudem das Feedback, dass die Mitwirkungsmöglichkeiten bspw. in Bezug auf Gesetzgebungsverfahren und die frühe inhaltliche Einbindung in Kammerthemen sehr geschätzt werden. 

    Und wie schaffen Sie es, den Austausch mit den Mitgliedern aufrechtzuerhalten? Wie schaffen Sie es, eine derart diverse Mitgliedschaft miteinander zu vernetzen?

    Wir haben derzeit etwa 22.500 Mitglieder in unserem Kammerbezirk und somit einen großen Zuständigkeitsbereich. Sie können sich vorstellen, dass der direkte Austausch eine gewisse Herausforderung darstellt, die wir aktiv meistern möchten. Wir nutzen unterschiedliche Kommunikationskanäle, um unsere Mitglieder zu informieren und in unsere Arbeit aktiv einzubinden und arbeiten kontinuierlich daran, neue Kommunikationsangebote zu schaffen; die Öffentlichkeitsarbeit wird intensiver. 

    An welche denken Sie da konkret?

    Künftig wollen wir die Plattform LinkedIn stärker nutzen und uns mit Anwältinnen und Anwälten dort vernetzen. Konkret bedeutet das nichts anderes, als den Themen einen Raum zu geben, die für die anwaltliche Praxis relevant sind. Wir können nicht die jeweiligen fachlichen Themen in den vielen Rechtsbereichen abbilden. Von uns als Rechtsanwaltskammer erwarten unsere Mitglieder Informationen zu ganz bestimmten, ihre Arbeit selbst betreffenden Themen.

    In den vergangenen Wochen haben wir unseren Auftritt bei LinkedIn daher gezielt vorbereitet. Die Plattform bietet uns viele neue Möglichkeiten für den Austausch mit unseren Mitgliedern wie auch für die Sichtbarkeit der Kammer und ihrer Themen. Für uns ist diese Form der Interaktion im Moment ein spannender Lernprozess, bei dem wir auch auf die Beteiligung unserer Mitglieder und anderer Interessierter angewiesen sind. Aus diesem Grund möchte ich alle Mitglieder dazu aufrufen, sich mit uns zu vernetzen und auch im digitalen Raum unsere Community zu verstärken. Es gibt da allen Grund zum Optimismus, denn unsere Branche ist eine der präsentesten auf diesem Medium.

    Wir können uns auch gut vorstellen, einige Veranstaltungen in den digitalen Raum zu verlagern. Die Teilnahme ist für viele somit leichter, gerade weil sich ein Großteil unserer Mitglieder außerhalb Münchens befindet.

    Wir sind offen für weitere Kommunikationskanäle und werden auch zukünftig die Kontaktpflege mit unseren Mitgliedern den aktuellen Anforderungen und Gegebenheiten anpassen.